Ich biete strukturierte ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen an. Erfasst werden die aktuelle Symptomatik, die biographische Anamnese ab Kindheit und Jugend sowie Exekutivfunktionen (Planen, Steuern, Hemmen) und Aufmerksamkeitsleistungen mit standardisierten Testverfahren. Differentialdiagnostik – insbesondere gegenüber Autismus-Spektrum-Störung und Borderline-Persönlichkeitsstörung, bei episodischem Verlauf auch gegenüber bipolarer Störung – ist fester Bestandteil. Ergebnis ist ein schriftlicher Befund mit klinischer Einordnung und Empfehlungen.
ADHS ist nach aktueller diagnostischer Definition (ICD-11, DSM-5) eine Störung mit Beginn in Kindheit oder Jugend, die bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Eine seriöse Erst-Diagnose im Erwachsenenalter setzt deshalb die biographische Rekonstruktion bis in die Schulzeit voraus – Sie können sich darauf einstellen, dass dieser Teil ausführlicher ist als bei anderen Diagnostiken.
Wann eine ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen sinnvoll ist
Eine Diagnostik ist passend, wenn
- Sie über länger anhaltende Probleme mit Konzentration, Aufmerksamkeit oder Aufgaben-Organisation berichten, die im Alltag relevant sind
- innere Unruhe, getriebenes Erleben oder ausgeprägte Impulsivität wiederkehrend auftreten
- Schwierigkeiten mit Zeitmanagement, Priorisierung oder Aufschiebeverhalten beruflich oder familiär eskalieren
- Sie sich in ADHS-Beschreibungen (Medien, Bekannte, Therapie) wiederfinden und prüfen wollen, ob das fachlich tragfähig ist
- frühere Diagnosen (Depression, Angststörung, Erschöpfung) Beschwerden nicht vollständig erklären und ein neuer differentialdiagnostischer Blick gewünscht ist
- vor einer medikamentösen oder psychotherapeutischen Entscheidung eine strukturierte diagnostische Grundlage benötigt wird
Hinweis zu ADHS bei Frauen
ADHS wird bei erwachsenen Frauen häufig später erkannt – Symptome zeigen sich oft weniger durch motorische Unruhe als durch innere Anspannung, Aufmerksamkeits- und Organisations-Schwierigkeiten und langjährige Selbst-Kompensation. Die Diagnostik berücksichtigt diese Präsentationsformen.
Die Indikation klären wir telefonisch im Rahmen der Terminvereinbarung. Wenn ein anderes diagnostisches Verfahren passender wäre – etwa klinisch-psychologische Diagnostik bei klar abgegrenzter depressiver oder Angst-Symptomatik –, sage ich das offen.
Was untersucht wird
Erfasst werden mehrere Ebenen, die für eine fachlich tragfähige ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen erforderlich sind:
- Aktuelle Symptomatik – Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität/innere Unruhe, Impulsivität; Beeinträchtigung im Alltag (Beruf, Beziehung, Selbstorganisation)
- Biographische Anamnese – Beginn der Symptomatik in Kindheit oder Jugend, schulische Entwicklung, frühere ärztliche oder psychologische Diagnosen
- Selbst- und Fremdbericht – standardisierte Selbstbericht-Verfahren; wo möglich und sinnvoll auch Fremdbericht durch eine nahestehende Person (Partner, Eltern, Geschwister)
- Testpsychologische Untersuchung – Aufmerksamkeit (Daueraufmerksamkeit, geteilte Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit) und Exekutivfunktionen (Inhibition, Planen, Flexibilität)
- Differentialdiagnostik und Komorbiditäten – siehe eigener Abschnitt
Eingesetzt werden international etablierte und normierte Verfahren: standardisierte Selbstbericht-Verfahren, strukturierte klinische Interviews, computerbasierte Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktions-Diagnostik. Scope: ausschließlich Erwachsenenbereich.
Differentialdiagnostik und Komorbiditäten
ADHS bei Erwachsenen überschneidet sich symptomatisch mit mehreren anderen Störungsbildern. Eine Diagnostik, die das nicht systematisch prüft, ist nicht ausreichend.
Wesentliche Differentialdiagnosen
- Autismus-Spektrum-Störung (ASS) – ASS und ADHS überschneiden sich klinisch erheblich: Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktions-Auffälligkeiten, soziale und sensorische Besonderheiten. Bei adulter Erstdiagnose ist die Abgrenzung – und die Frage, ob beide Bilder komorbid vorliegen – zentral und wird systematisch geprüft.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung – emotionale Dysregulation, Impulsivität und Identitätsdiffusion können einer ADHS-Symptomatik ähneln, insbesondere bei erwachsenen Frauen, die häufig als Borderline statt als ADHS diagnostiziert werden. Die strukturelle Erfassung im Rahmen einer Persönlichkeitsdiagnostik trennt das ab – Cross-Link: Persönlichkeitsdiagnostik.
- Bipolare Störung – insbesondere hypomane Phasen (gesteigerter Antrieb, beschleunigtes Denken, Impulsivität) können ADHS-ähnlich wirken; die Verlaufsgestalt mit episodischem Auftreten unterscheidet sich von der überdauernden ADHS-Symptomatik.
Häufige Komorbiditäten
Diese treten zusätzlich zu einer ADHS auf, lassen sich aber in der Regel nicht damit verwechseln. Sie werden erfasst, weil sie für die klinische Folgeentscheidung wichtig sind:
- depressive Symptomatik
- Angst- und Panikstörungen
- Schlafstörungen
- Substanzgebrauchsstörungen
Wenn neben einer ADHS-Symptomatik komorbide Anteile vorliegen, werden diese im Befund benannt – Patienten mit Mehrfach-Diagnose haben ein Recht auf ein vollständiges Bild.
Ablauf
Die Diagnostik ist als ein Termin angelegt – 1 bis maximal 2 Stunden, je nach Komplexität der Fragestellung. Kein vorgeschaltetes Erstgespräch, keine zweite Sitzung zur Befundbesprechung.
- Telefonische Indikationsklärung – im Rahmen der Terminvereinbarung. Was sind die aktuellen Beschwerden, gibt es frühere Diagnosen, sind Zeugnisse oder andere Unterlagen aus Kindheit/Jugend verfügbar.
- Diagnostik-Termin in der Praxis – Anamnese (aktuell und biographisch), Selbstbericht-Erhebung, testpsychologische Untersuchung, klinische Einschätzung in einer Sitzung.
- Schriftlicher Befund – wird im Anschluss erstellt und zugesandt. Rückfragen können telefonisch geklärt werden.
Dieses one-shot-Format ist insbesondere bei längerer Anreise (Innsbruck, Linz, überregional) die spürbar bessere Logistik.
Was Sie als Ergebnis erhalten
Ein schriftlicher Befund mit:
- Anamnese (aktuelle Symptomatik und biographisch ab Kindheit) und Fragestellung
- Übersicht der Untersuchungsbereiche und eingesetzten Verfahren
- Ergebnissen der testpsychologischen Untersuchung, eingeordnet in altersnormierte Vergleichsgrößen
- klinischer Einordnung gemäß ICD-10/11 (ADHS oder differentialdiagnostische Alternative)
- Hinweisen auf relevante Komorbiditäten
- Empfehlungen für das weitere Vorgehen (z.B. fachärztliche Vorstellung zur medikamentösen Einstellung, Psychotherapie-Indikation, weitere Diagnostik, kein Behandlungsbedarf)
Eine ADHS-Diagnostik liefert eine klinisch-psychologische Einordnung – die Entscheidung über eine medikamentöse Therapie (in Österreich ein Bereich der Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie oder Neurologie) wird auf dieser Grundlage von der zuständigen ärztlichen Person getroffen.
Kosten
Honorartarif als Wahlpsychologe für Diagnostik: € 225 pro Stunde Diagnostik-Sitzungszeit. Auswertung und Befunderstellung sind im Honorar einkalkuliert. Details und Erstattungsmodalitäten durch österreichische Krankenkassen auf Kosten und Ablauf.
Nächster Schritt
Termine ausschließlich nach Vereinbarung – telefonisch oder über das Kontaktformular. Die Indikation klären wir telefonisch. Falls vorhanden, halten Sie für das Telefonat bitte bereit: frühere Befunde oder Diagnosen, gegebenenfalls Schulzeugnisse aus Volksschule/Unterstufe (oft hilfreich für die biographische Anamnese, kein Muss).
